Alte Fahrzeuge

Gute Autos sind nicht nur teuer, sondern auch langlebig. Hat man hohe Ansprüche, aber möchte nicht viel Geld ausgeben, ist ein hochwertiges, aber altes Auto sinnvoll. Manchmal ist man als Altauto-Fahrer aber dem Unverständnis ("Wie kann man nur.....?") oder auch den Anfeindungen ("Umweltsau") seiner Mitmenschen ausgesetzt. Hier folgt meine Meinung zu einigen Themen:

 


 

"Wahrheiten"  über alte Autos

       

 

            "Alte Autos sind langsam"  

Stimmt, aber was schadet das? 

            

            "Alte Autos sind unsicher"  

Kein ABS, ESP, BAS, und keine Airbags. Also fahrdynamische Überforderung, Tod und Verderben an jeder dritten Ecke? Nein, denn da ist nichts, was dem Fahrer trügerische Sicherheit vorgaukelt und ihn zum Rasen verleitet.  Wenns knallt, ist's Scheiße, aber es knallt viel seltener, da vorsichtiger und vor allem langsamer gefahren wird!  

          

             "Alte Autos sind umweltschädlich, denn sie stoßen mangels effektiver Abgasreinigung mehr giftige Abgase aus als neue Autos"

Diese 'Wahrheit' erfreut sich großer Beliebtheit, stimmt aber nur zum Teil!

Sie trifft  für das aufgrund der hohen Menge und der Persistenz langfristig umweltschädlichste Abgas CO2 (Klimaveränderung) überhaupt nicht zu. Auch das neueste Neufahrzeug der besten Euro-Norm emittiert pro Liter Kraftstoff die gleiche Menge CO2 wie der erste Benz vor über 100 Jahren.

Die durch moderne Katalysatortechnik im Abgas moderner Autos stark verminderten Stoffe wie Stickoxide, Schwefelverbindungen, Kohlenwasserstoffe sind in hoher Konzentration akut problematisch (Smog, Waldschäden). Sie sind auf lange Sicht  für die Umwelt aber weniger belastend als CO2, da sie abgebaut werden. 

Rußpartikel im Abgas von Dieselmotoren sind krebserregend. Das cancerogene Potential ist jedoch abhängig von der Partikelgröße. Gerade die lungengängigen Mikropartikel (kleiner als 3 Mikrometer) werden hauptsächlich durch die  modernen Motoren mit 'verbesserten' Einspritzanlagen produziert. 

Zitat (Greenpeace): "Der Anteil grober Rußpartikel in Dieselabgasen wurde in den letzten Jahren zwar verringert. Gefährlich sind aber nicht so sehr diese, sondern die "lungengängigen", sehr kleinen Rußteilchen. Sie sind zum Teil kleiner als 0,1 µm (Mikrometer); das ist ein Tausendstel des Durchmessers eines Menschenhaares. Die Menge der feinen (2,5 µm) und ultrafeinen (0,1 µm) Rußteilchen hat zugenommen; teilweise als Folge der ungenügenden Gesetzgebung, teilweise durch neue Techniken der Dieseleinspritzung" (Zitat Greenpeace)

Zitat (UPI Heidelberg): "Verschiedene Untersuchungen der letzten Jahre deuten jedoch darauf hin, daß nicht das Gewicht des Dieselrußes in der Atemluft, sondern die Anzahl der lungengängigen Partikel für die Krebsentstehung verantwortlich ist. Während das Gewicht der Emission von Dieselruß aus Dieselmotoren in den letzten Jahrzehnten gesunken ist, blieb die Zahl der lungengängigen Partikelemissionen gleich bzw. nahm zu" (http://www.upi-institut.de/upi44.htm)  

Die sichtbare Rußemission alter Fahrzeuge ist weniger gefährlich als die unsichtbaren Mikropartikelströme der modernen sogenannten 'sauberen Diesel'.

             

            "Alte Autos verbrauchen mehr Kraftstoff als neue Autos"

Die technische Entwicklung der Motoren in den letzten Jahrzehnten hat zu einer deutlichen Steigerung der  Effizienz geführt. Die Werte für den Kraftstoffverbrauch pro PS-Stunde sind heute erheblich geringer als z.B. vor 20 Jahren. Die Entwicklung und der Einsatz neuer Materialien im Auto (Kunststoffe) bewirken eine Gewichtsreduzierung. Durch diese unbestreitbaren Verbesserungen wurde zumindest theoretisch der Grundstein für sparsamere Autos gelegt.

 

Wie sehen nun aber im Vergleich zu früher die Verhältnisse bei einem modernen Auto aus:

Neue Autos haben immer mehr PS. Die Erhöhung der Effizienz der Motoren (Verbrauch in Gramm pro PS-Stunde) wird durch die Erhöhung der Motorleistung zum einem beträchtlichen Teil kompensiert.

Es besteht eine erhebliche Steigerung des Fahrzeuggewichtes durch zusätzliche, häufig unnötige Bauteile (elektr. Fensterheber etc.), sodaß vergleichbare Autos heute viel schwerer sind als früher.

 

Beispiel1: Mercedes E-Klasse, kleinstes angebotenes Diesel- Modell

Bj. Typ PS Vmax Leergewicht Verbrauch
1957 180D 43 PS 110 km/h 1210 kg 7,0 l/100km effektiv
2004 E200 CDI 123 PS 203 km/h 1600 kg 6,3 l/100km lt. Werbung

  

Beispiel 2: Ford Mittelklasse, kleinstes angebotenes Benziner-Modell

Bj. Typ PS Vmax Leergewicht Verbrauch
1960 Taunus P3 1,5l 55 PS 130 km/h 920 7,9 l/100km lt. Werbung
2004 Mondeo 1,8l 110 PS 195 km/h 1360 kg 7,6 l/100km lt. Werbung

 

 

Neue Autos verbrauchen  kaum weniger Kraftstoff als deren Vorgänger (siehe Beispiele). Ihre  Motoren  arbeiten zwar effizienter, aber dafür sind sie PS-stärker und schwerer. Neue Autos sind schneller und komfortabler, aber nicht  umweltfreundlicher als alte Autos, wenn man vergleichbar genutzte Fahrzeuge betrachtet.

Oder andersherum: Mit 7 Liter/100 km Spritverbrauch konnte man vor 30 Jahren  90km/h schnell fahren, heute fährt man damit 130 km/h.  Ist das umweltfreundlich? 

 

NEU: In einem aktuellen Test des upi-Instituts wurde der Spritverbrauch eines 2008er Golf TDI Blue Motion im direkten Vergleich zu einem 13 Jahre alten Golf TD ermittelt. Beide Wagen fuhren dabei abwechselnd hintereinander her. Der neue TDI hatte nach 100km Strecke 6,63l Diesel verbraucht, der 13 Jahre alte Wagen dagegen 6,43 l Diesel. Die Werksangabe für den Bluemotion Golf lautet übrigens 4,5l/100km.Bericht dazu unter http://www.rbb-online.de/_/includes/multimediakonsole/mmkonsole_jsp/key=multimedia__8041802.html

 


Das tatsächliche Ausmaß der Umweltbelastung durch Autoabgase ist stark von der Gesamtkilometerleistung des Fahrzeugs abhängig. Die bei der Produktion eines Autos investierte Energie entspricht im Mittel ungefähr dem Energieverbrauch für 150.000 km Fahrleistung. Fährt das Auto dann 150.000 km und wird nach dieser Laufstrecke verschrottet, war der Gesamtenergieverbrauch doppelt so hoch wie der getankte Kraftstoff. Dazu zwei Beispiele:

 

1. Rechnung

Ein Neuwagen wird nach 150.000 km Fahrleistung verschrottet. Energiebilanz 150.000 km (getankt) + 150.000 km (Produktionseinsatz) = 300.000km

300.000 km x 0.07 Liter/km = 21.000 Liter Diesel

Umgerechnet auf die tatsächliche Kilometerleistung ergibt sich ein Spritverbrauch inkl. Herstellung von 14,0 Liter/100km

 

2. Rechnung:

Mein 180D (Bj. 1957) ist 51 Jahre alt, wird im Alltagsbetrieb genutzt und verbraucht ca 7l Diesel/100km.  Er hat eine Laufleistung von ca. 300.000km. Berücksichtigt man den oben genannten Energieverbrauch für die Produktion, ergibt das für die bisherige Nutzung einen Gesamtenergieeinsatz  entsprechend 300.000 km (getankt) + 150.000 km (Produktionseinsatz für Neuwagen) = 450.000 km.

450.000 km x 0.07 Liter/km = 31.500 Liter Diesel

Umgerechnet auf die tatsächlich gefahrenen Kilometer beträgt der Spritverbrauch inkl. Herstellung also ca. 10,5 Liter/100km

 

3. Rechnung:

Die Lebensdauer meines Wagens beträgt ungefähr das dreifache der durchschnittlichen Nutzungsdauer eines Autos (15 Jahre). Normalerweise wäre der Wagen aufgrund seines Alters also schon zweimal durch einen Neuwagen ersetzt worden. Wäre das tatsächlich  geschehen, sähe die Energiebilanz so aus:

300.000km (getankt) + 450.000km (Produktionseinsatz für 3 Neuwagen) = 750.000km

700.000 x 0.07 = 49.000 Liter Diesel

Umgerechnet auf die tatsächliche Kilometerleistung ergibt sich ein Spritverbrauch inkl. Herstellung von 16,3 Liter/100km

 

Eine möglichst lange Nutzungsdauer ist unter diesem Aspekt also umweltfreundlich,  insbesondere bei weniger häufiger Benutzung (z.B. Zweitwagen). Bei hoher jährlicher Kilometerleistung wirkt sich dieser Effekt weniger aus. 

 

Fazit:

Ich bin nicht so beschränkt zu glauben, es wäre am besten, Autos heute weiterhin so zu bauen wie vor 50 Jahren, denn wenn man das getan hätte, wären wir bei der heutigen Verkehrsdichte vermutlich längst im Smog erstickt. 

Es ist aber unter dem Aspekt der Umweltbelastung völliger Unsinn, vorhandene, intakte und gebrauchsfähige Autos zu vernichten und durch Neuwagen zu ersetzen. Das sorgt zwar für zusätzliche Arbeitsplätze, dies allerdings zu einem beträchtlichen Teil in fernen Ländern. Die Instandhaltung und Wartung hier fahrender Autos sichert dagegen zuverlässig Arbeitsplätze hier vor Ort!

Ein pfleglicher, auf möglichst lange Lebensdauer ausgelegter Gebrauch derart aufwendig produzierter Gegenstände zahlt sich nicht nur für den Geldbeutel, sondern trotz gegenlautender Propaganda auch für die Umwelt aus.

 

© by schrat-online

 

 zur Hauptseite

Home ]